Lebensmittelunverträglichkeit: Wenn die Verdauung streikt

Schätzungen zufolge leiden rund 20 Prozent der Österreicher*innen an einer Laktoseintoleranz, jede*r Zehnte kann Fruktose nicht bzw. nur in geringen Mengen verstoffwechseln. Wenn Sie nach dem Essen häufig mit Verdauungsbeschwerden wie Bauchschmerzen, Blähungen oder Durchfall zu kämpfen haben, leiden eventuell auch Sie an einer Lebensmittelunverträglichkeit.

Daran erkennen Sie eine Unverträglichkeit

Lebensmittelunverträglichkeiten treten oft durch eine eingeschränkte Verdauungsleistung auf, d.h. bestimmte Bestandteile von Lebensmitteln können nicht richtig verdaut oder abgebaut werden. In den meisten Fällen mangelt es an einem gewissen Enzym, das für die Verdauung bestimmter Lebensmittel notwendig ist. Zur Aufspaltung von Milchzucker (Laktose) wird beispielsweise das Enzym Laktase benötigt – ist es nicht in ausreichender Menge vorhanden und werden dennoch laktosehaltige Lebensmittel konsumiert, gelangt der Milchzucker in den Dickdarm und wird dort von Darmbakterien zerlegt. Die häufige Folge: innerhalb von 30 Minuten bis drei Stunden nach Verzehr des auslösenden Lebensmittels treten Blähungen, Bauchschmerzen oder Durchfall auf. Weitere typische Symptome für eine Intoleranz sind Luftaufstoßen, Bauchkrämpfe, Übelkeit, schlechter Atem sowie Veränderungen des Stuhlgangs.

Junge Frau liegt am Bett und hält Hände über schmerzenden Bauch.

Wenn Sie nach dem Essen bestimmter Lebensmittel oft an solchen Verdauungsbeschwerden leiden, empfiehlt es sich, diese durch unsere Fachärzt*innen für Innere Medizin bzw. unsere Gastroenterolog*innen abklären zu lassen. Wird vermutet, dass die Ernährung hinter den Beschwerden steckt, stehen Ihnen unsere Diätolog*innen beratend und seit Kurzem auch mit einer Austestung auf gängige Lebensmittelunverträglichkeiten zur Seite. Treten die Beschwerden nach jeder einzelnen Mahlzeit auf, kann dies auf eine bakterielle Fehlbesiedelung des Dünndarms hindeuten. Diese kann nun ebenfalls im Gesundheitszentrum nachgewiesen werden.

Ein einfacher Atemtest schafft Gewissheit

Zur Austestung kommt die sogenannte Wasserstoff-Atemmessung – kurz H2-Atemtest – zum Einsatz, mit deren Hilfe Unverträglichkeiten auf Laktose (Milchzucker), Fruktose (Fruchtzucker) sowie den Zuckeraustauschstoff Sorbit festgestellt werden können. Beim Verdacht auf eine Dünndarmfehlbesiedelung kann der Atemtest mit Glukose Klarheit schaffen.

Der Test dauert etwa drei Stunden und wird auf nüchternen Magen durchgeführt. Dabei kommt ein spezielles Atemgerät zum Einsatz, welches die Konzentration von Wasserstoff in der Ausatemluft misst. Dazu wird zunächst Ihr Basalwert („Nüchternwert“) bestimmt, ehe Sie ein Zuckergetränk – in Wasser aufgelöste(s) Laktose, Fruktose, Sorbit oder Glukose – zu trinken bekommen. Anschließend atmen Sie alle 30 Minuten in das Atemgerät. Die gemessenen Werte und eventuell auftretende Symptome werden dokumentiert, erhoben und verglichen.

Fällt der H2-Atemtest positiv aus, besteht eine Unverträglichkeit auf Laktose, Fruktose oder Sorbit bzw. liegt eine Dünndarmfehlbesiedelung vor. In diesen Fällen besprechen unsere Diätolog*innen Ihre Ernährungsgewohnheiten mit Ihnen im Rahmen einer Ernährungstherapie und helfen Ihnen auf dem Weg zurück in ein beschwerdefreies Leben.

Laktoseintoleranz

Wird bei Ihnen eine Laktoseunverträglichkeit nachgewiesen, kann Ihr Körper Milchzucker nicht bzw. nicht in großen Mengen verarbeiten. Ein kompletter Verzicht auf Milchprodukte ist meist dennoch nicht nötig. Viele ursprünglich stark laktosehaltige Lebensmittel wie Milch, Joghurt, Topfen, Schlagobers, Frischkäse und Milchschokolade sind mittlerweile auch in laktosefreier Form im Supermarkt erhältlich. Zudem besteht die Möglichkeit, das zur Verdauung von Laktose benötigte Enzym Laktase zum Essen in Form von Tabletten zuzuführen.

Fruktoseintoleranz

Fruktose, also Fruchtzucker, kann vom menschlichen Körper generell nur in Maßen absorbiert werden. Bei einer diagnostizierten Fruktoseunverträglichkeit handelt es sich also eigentlich um eine sogenannte Malabsorption. Ihr Körper kann in diesem Fall weniger Fruchtzucker aus dem Darm aufnehmen, weil das dafür benötigte Transporteiweiß nicht richtig arbeitet. Eine gänzlich fruktosefreie Ernährung ist jedoch nur selten notwendig bzw. sinnvoll. Empfehlenswert ist es, stark fruktosehaltige Lebensmittel wie Trockenobst, Fruchtsäfte, Honig und mit Fruktose angereicherte Fertigprodukte nur in Maßen zu konsumieren.

Sorbitintoleranz

Sorbit ist ein beliebter Zuckeraustauschstoff, der kein Karies verursacht und sich nur gering auf den Blutzuckerspiegel auswirkt. Es wird daher gerne in als zuckerfrei bzw. „light“ gekennzeichneten Produkten eingesetzt. Eine Unverträglichkeit auf Sorbit ist ebenfalls eigentlich eine Malabsorption, bei der die Aufspaltung des Zuckeralkohols im Dünndarm nicht richtig funktioniert. Stattdessen wird er im Dickdarm von Bakterien verstoffwechselt und führt zu den typischen Verdauungsbeschwerden. Sorbit kommt natürlicherweise in Stein- und Kernobst (Birnen, Marillen, Zwetschken, Pfirsiche) und Trockenfrüchten (Datteln, Rosinen) vor, und wird in Diabetikerprodukten, zuckerfreien Kaugummis, bestimmten Bier- und Weinsorten sowie in vielen Fertigprodukten eingesetzt.

Dünndarmfehlbesiedelung (SIBO)

Bei einer Fehlbesiedelung des Dünndarms – kurz SIBO für Small Intestinal Bacterial Overgrowth – haben sich viele Milchsäurebakterien fälschlicherweise im Dünndarm angesiedelt. Dort behindern sie einerseits Verdauungsenzyme bei ihrer Arbeit, weshalb Nahrung nicht mehr vollständig verdaut werden kann. Andererseits fermentieren sie dort Kohlenhydrate, wodurch es zur Gasbildung und den damit einhergehenden Beschwerden wie Blähbauch und Bauchschmerzen kommt. Diese Symptome tauchen meist unmittelbar nach dem Essen auf und können stundenlang bestehen bleiben. Auf lange Sicht kann eine Dünndarmfehlbesiedelung zu Mangelerscheinungen, z.B. von Vitamin B12, und einer Gewichtsabnahme führen, da Verdauung und Nährstoffaufnahme gestört sind.

Leiden auch Sie nach dem Essen häufig an Verdauungsbeschwerden?

Symptome wie Bauchschmerzen, Blähungen, Durchfall, Krämpfe und Übelkeit können viele verschiedene Ursachen haben und schränken die Lebensqualität der Betroffenen oft stark ein. Beim Verdacht auf einen Zusammenhang zwischen diesen Beschwerden und Ihrer Ernährung empfehlen wir Ihnen, sich im Gesundheitszentrum diätologisch beraten und einen Test auf eine mögliche Lebensmittelunverträglichkeit durchführen zu lassen.

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